Angiographie

Die Gefäße von Gehirn oder Rückenmark können mit bildgebenden Verfahren wie der zerebralen und spinalen Angiographie dargestellt werden. So erhält man Hinweise auf Fehlbildungen im Blutgefäßsystem.

Unter örtlicher Betäubung wird eine spezielle Punktionsnadel (Durchmesser ca. 1 mm) in eine Schlagader (Arterie) oder Vene eingeführt. Diese Punktion erfolgt meist in der Leistenbeuge, in seltenen Fällen im Bereich des Armes, der Achsel oder des Halses. Durch die Punktionsnadel wird ein dünner, flexibler Draht in das Innere des Blutgefäßes vorgeschoben. Die sehr weiche, gebogene Spitze dieses sogenannten Führungsdrahtes verhindert eine Gefäßverletzung. Über den Führungsdraht wird der Katheter an die zu untersuchende Stelle des Gefäßsystems platziert.

Da die Gefäßinnenwand keine auf Berührung sensiblen Nervenfasern besitzt, kann der Patient während der Untersuchung nur ein Druckgefühl spüren, wenn der Katheter durch den untersuchenden Arzt manipuliert wird.

Um die Blutgefäße erkenn- und beurteilbar zu machen, wird über den Katheter Kontrastmittel eingespritzt. Währenddessen werden in schneller Folge Röntgenaufnahmen der Untersuchungsregion angefertigt. Die Aufnahmen werden elektronisch angefertigt und per Computer so verarbeitet, dass nur noch die interessierenden Gefäße (minus anderer Knochen- und Weichteilstrukturen) abgebildet werden (sog. digitale Subtraktionsangiographie, DSA).

Die Untersuchung ist meist nach 15 bis 30 Minuten abgeschlossen. Komplizierte anatomische Verhältnisse oder die gleichzeitige Durchführung einer therapeutischen Maßnahme in den Gefäßen können zu einer Verlängerung der Untersuchungszeit führen. Nach Entfernen des Kathetermaterials wird die Punktionsstelle für etwa zehn Minuten komprimiert und anschließend ein Druckverband angebracht. Danach ist eine Bettruhe von vier bis zwölf Stunden zu empfehlen. An der Punktionsstelle kann sich nach der Untersuchung ein Bluterguss bilden. Veränderungen der Gefäßwand (Aneurysmen) oder Infektionen an dieser Stelle sind extrem selten.

Typische Indikationen zur zerebralen Angiographie sind der Verdacht auf Einengung der hirnversorgenden Gefäße, auf Gefäßfehlbildungen (z.B. Aneurysmen, Fisteln) oder Gefäßtumoren (Angiome, AVM). Die spinale Angiographie wird wesentlich seltener durchgeführt –hier fahndet man meist nach Gefäßfehlbildungen und -tumoren.

Eine neuere Methode ist die dreidimensionale Rekonstruktion von Magnetresonanztomographie-Aufnahmen nach Kontrastmittelgabe (MR-Angiographie). Bei diesem Untersuchungsverfahren wird kein Katheter, sondern lediglich Kontrastmittel für die Kernspintomographie verwendet.

Im Gegensatz zur konventionellen Angiographie werden anstelle zweidimensionaler Bilder bei der MRA im Regelfall dreidimensionale aufgenommen, die eine Beurteilung der Gefäße aus allen Blickrichtungen ermöglichen.

Das Problem dabei ist die niedrigere Auflösung und die Anfälligkeit der Methode für metallische Fremdkörper in der untersuchten Region. Daher bleibt die Angiografie weiterhin der Goldstandard auch für die rein diagnostische Darstellung der Gefäße.

Die CT-Angiographie (computertomographische Angiographie, CTA) bedient sich der Computertomographie unter der Gabe von Kontrastmittel. Das Kontrastmittel muss jedoch im Gegensatz zur konventionellen Angiographie nicht direkt in die darzustellenden Gefäße injiziert werden, sondern nur in eine Armvene. Aus den computertomographischen Schichtbildern werden die Arterien oder Venen segmentiert, in 3D-Darstellungen ausgegeben und oft eingefärbt (die Rohbilder sind immer schwarzweiß).

CTA-Untersuchungen sind technisch einfacher und risikoärmer als Röntgen-Angiographien. Allerdings ist die Detailauflösung auch modernster CT-Scanner geringer als die der Röntgenfilme, so dass auch diese Methode bisher nicht die Angiographie als Goldstandard ersetzen kann.

Mittels kranieller Doppler- und Duplexsonographie ist sowohl die Darstellung als auch die Messung der Flussgeschwindigkeit gehirnversorgender Gefäße möglich. So können Verengungen oder Verschlüsse festgestellt. Bei der extrakraniellen Dopplersonografie untersucht man die Blutgefäße im Halsbereich, bei der transkraniellen Dopplersonografie die Gefäße im Gehirn.

Die Halsschlagader (arteria carotis) ist das Gefäß, das am leichtesten mit Hilfe von Ultraschall sichtbar gemacht werden kann. Bei der Duplexsonografie, einer Kombination aus  Dopplerverfahren und normaler Sonografie, können Strömungsverläufe in den Blutgefäßen wiedergegeben werden. Dadurch erhält man auch eine funktionelle Aussage zur Menge des Blutes, welches durch das Gefäß in einer Zeiteinheit fließen kann.

Die Ultraschalluntersuchung der Gefäße wird im Liegen durchgeführt. Die betroffene Körperregion wird mit Gel bedeckt, um den Schall besser übertragen zu können. Über der Stelle wird der Schallkopf hin und her bewegt, die Gefäße werden so dargestellt und kann auf dem Monitor betrachtet werden. Die Farbkodierung zeigt Flussrichtung und Stärke des Blutflusses in den Gefäßen dar