Nervenerkrankungen

 

Schädigungen der Nerven, die den gesamten Körper durchziehen (= "periphere" Nerven), entstehen durch Überlastung, Entzündungen oder wie bei der NF2 durch Tumore. Dabei können leichte und schwere, kurzzeitige und dauerhafte Störungen auftreten. Selbst bei einer vollständigen Durchtrennung eines größeren Nerven ist eine Regeneration möglich, wenn die Nervenenden frühzeitig wieder zusammengefügt werden. Je kürzer die Schädigung besteht, desto besser wird sich die Funktion erholen können. Wartet man mit einer operativen Behandlung zu lange, dann kann man z.B. bei Schädigungen des Armnervengeflechts nach einem Jahr keine guten Ergebnisse mehr erzielen. Auch nach einer rechtzeitig durchgeführten Behandlung benötigt der Nerven etwa einen Tag, um einen Millimeter neu zu wachsen (Regeneration). Die Erholung von Lähmungen beginnt daher oft erst nach Monaten. Eine intensive Nachbehandlung mit Krankengymnastik, Ergotherapie und Elektrostimulation verbessert die Heilungsergebnisse deutlich.

Zeichen einer Schädigung peripherer Nerven sind

  • Schmerzen
  • Taubheitsgefühl, Kribbeln, Missempfindungen
  • Lähmung der versorgten Muskeln

 

Symptome

Weil die größeren Nerven sehr lang sind, treten die Beschwerden oft nicht nur am Ort der Schädigung, sondern auch ausstrahlend weit davon entfernt auf. Schwurhand", "Krallenhand" und "Fallhand" sind bekannte Fehlstellungen der Hand, die v.a. dann entstehen, wenn die betroffenen Armnerven durch Verletzungen geschädigt werden. Immer besteht in diesen Fällen auch eine Störung des Berührungsempfindens (Sensibilität) im entsprechenden Versorgungsgebiet des betroffenen Nerven.

Neben Verletzungen und Tumoren sind so genannte "Engpässe" eine häufige Schädigungsursache. Diese Engpässe treten vorzugsweise an bestimmten Stellen auf: Nächtliche Schmerzen und ein "Einschlafgefühl" in den ersten 3 Fingern einer Hand kommen beim "Karpaltunnelsyndrom" (Nervus medianus) vor. Beim "Ulnarisinnensyndrom" (Nervus ulnaris) strahlt der Schmerz vom Ellenbogen in Ring- und Kleinfinger aus. Diese Finger fühlen sich oft pelzig an. Manchmal besteht eine Schwäche der kleinen Handmuskeln, die im Alltag als störend bemerkt wird. Das Armnervengeflecht (Plexus brachialis) ist beim "Skalenussyndrom" betroffen. Neben Schmerzen im Schulter-Hals-Bereich, die in den Arm und die Finger ausstrahlen können, kommt es bei Arbeiten über Kopf und beim Tragen schwerer Taschen zu Kribbeln und Einschlafgefühl im betroffenen Arm. Schmerzen in Höhe des Knies, Pelzigkeit am Fuß und manchmal eine Lähmung der Fußhebung sprechen für eine Engstelle im Bereich der Loge des Nervus peroneus. Besonders nachts treten beim "Tarsaltunnelsyndrom" (Nervus tibialis) Schmerzen und Pelzigkeit im Fuß, besonders an der Fußsohle auf. Auch die so genannte "Meralgia paraesthetica" mit brennenden Schmerzen und Taubheitsgefühl an der Oberschenkel-Außenseite, die oft zunächst ursächlich als Bandscheibenvorfall fehlgedeutet wird, entsteht aufgrund der Schädigung peripherer Nerven.

Diagnostik

Die klinische Untersuchung durch einen geschulten Experten ist unersetzlich bei Verdacht auf eine Schädigung der peripheren Nerven. Manchmal lässt sich die Schädigung durch eine gezielte Blockade des Nerven mit Betäubungsmitteln näher eingrenzen. Darüber hinaus kommen aber auch apparative Methoden zum Einsatz. Da die Nerventätigkeit und die Tätigkeit der von den Nerven versorgten Muskeln auf elektrischer Aktivität aufbaut, kann man Nervenschädigungen elektrophysiologisch untersuchen. Dazu sind das Elektromyogramm (EMG) und die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit(NLG) sehr gut geeignet. Seltener kommen bildgebende Verfahren, wie z.B. Röntgen oder das MRT (Kernspintomogramm) für den Nachweis der Ursache einer Nervenschädigung zur Anwendung.