Nach Gesichtsnervlähmung

 

Tritt eine Gesichtsnervlähmung (Fazialisparese) nach OP trotz erhaltener Kontinuität des Nerven auf, kann man in der Regel mit einer spontanen Erholung rechnen. In dieser Zeit muss aufgrund des inkompletten Lidschlusses die Augenbindehaut mit Augensalben und nachts mit einem so genannten Uhrglasverband vor Austrocknung und Bindehautentzündungen geschützt werden. Tritt die Erholung aber nicht innerhalb von 6 Monaten ein, muss man eine Umpflanzung eines anderen Hirnnerven auf den Fazialisnerven in Erwägung ziehen. Dabei wird am häufigsten der Hypoglossusnerv, der die Zungenmuskulatur innerviert, verwendet. Diese Operation wird daher „hypoglosso-faziale Anastomose“ genannt. Dieser Eingriff wird in Vollnarkose am seitlichen Hals unter dem Unterkiefer durchgeführt, wo man beide Nerven in ihrem Verlauf außerhalb des Schädels auffinden und miteinander verbinden kann.

Ist während einer Entfernung eines Vestibularisschwannoms eine (Teil-) Durchtrennung des Fazialisnerven aufgetreten, wird nach Möglichkeit noch in gleicher Sitzung eine Rekonstruktion des Nerven durchgeführt, sofern dies die anatomischen Verhältnisse zulassen. Nach der Operation ist allerdings nicht mit einer sofortigen Funktionstüchtigkeit des Nerven zu rechnen, da seine Nervenfasern erst von der reparierten Schädigungsstelle aus mit einer Geschwindigkeit von 1 mm pro Tag (!) wieder aussprossen. Zunächst ist GesicNervennaht unter dem Mikroskopeine direkte Naht des Nervs die Behandlung der Wahl. Besteht durch die Schädigung eine Lücke im Verlauf des Nervs, so verwendet man ein Nerventransplantat, das man in die Lücke einnäht. Als Spendernerv verwendet man entweder einen Gefühlsnerv vom Hals oder vom Bein. Die Entnahme dieser Spendernerven ist mit keinem wichtigen Funktionsverlust für den Patienten verbunden. Der Patient erleidet einen geringen Gefühlsverlust in der Entnahmeregion. Mit einer frühen Rekonstruktion durch eine direkte Naht oder ein Nerventransplantat erreicht man die besten Ergebnisse. Die Regeneration verläuft langsam. Die Nervenregeneration dauert 6 bis 12 Monate, selten auch bis 18 Monate. Das bedeutet, dass der Patient solange mit Änderungen der Gesichtsfunktion rechnen darf. Mit einer direkten Nervenrekonstruktion oder einer Nerventransplantation erreicht man in der Regel wieder eine gute Ruhespannung der Gesichtsmuskulatur. Somit ist nach Abschluss der Regeneration in Ruhe bei den Patienten kein wesentlicher Unterschied mehr zur gesunden Gegenseite zu erkennen. In Bewegung wird ein ausreichender Augenschluss und Mundschluss erreicht. Mit der Wiederherstellung ausreichender emotionaler mimischer Möglichkeiten ist zu rechnen.

Oft ist es aber zunächst nicht sicher zu beurteilen, wie schwer der Gesichtsnerv verletzt wurde. Eine typische Situation nach der Entfernung eines Vestibularisschwannoms ist es, dass eine Gesichtslähmung vorliegt, der Nerv aber bei der Operation nicht wissentlich verletzt wurde. Erst nachdem der weitere Spontanverlauf abgewartet wurde, sich aber keine Besserung der Lähmung eingestellt hat, kommt der Verdacht auf, dass es sich um eine dauerhafte Lähmung handeln könne. Daher stellt sich nun die Frage, welche chirurgischen Maßnahmen sinnvoll sind, um dem Patienten mit bleibender Lähmung zu helfen. Typischerweise sind dann 6 - 18 Monate seit der Operation vergangen.