Absehen vom Mund

 

Wer plötzlich sein Gehör verliert wird zunächst versuchen, Gesprochenes vom Mund abzusehen.

Meistens funktioniert es nicht, alle Gesprächspartner müssen zu Stift und Papier greifen. Das Absehen vom Mund ist von vielen Faktoren abhängig und muss erlernt werden. Es zu lernen gelingt nicht allen Ertaubten und stark Schwerhörigen, und auch die es gut können, verstehen nicht alle Gesprächspartner!

Faktoren für das Gelingen einer Kommunikation durch Absehen:

  • das Mundbild des Gegenübers muss gut zu sehen sein:
  • das Licht muss für den Ertaubten immer von hinten kommen, damit das Gesicht des Gegenübers gut zu sehen ist
  • der Gesprächspartner  darf keinen Vollbart tragen, keinen Kaugummi kauen, keine Zigarette rauchen
  • der Gesprächspartner muss die Zähne auseinander bekommen beim Sprechen, darf keine Endungen verschlucken, keinen Dialekt sprechen, nicht nuscheln (alles das kann man lernen)
  • Beide Gesprächspartner sollten Blickkontakt halten, sich aufmerksam aufeinander konzentrieren.
  • Sprechbegabung und Konzentrationsfähigkeit des Ertaubten sind wichtige Voraussetzungen.
  • Empathie (Fähigkeit zum Mitdenken; was könnte der andere jetzt sagen) ist auch hilfreich.
  • Nähe der Bekanntschaft (die Familienangehörigen kann ein Ertaubter meist am besten verstehen, weil er weiß, was und wie sie sprechen)
  • Gegenseitige Sympathie und Interesse aneinander fördert das Verstehen

Auch bei optimalen Bedingungen wird aus dem Absehen vom Mund kein Ablesen, das heißt etwa bei abruptem Themenwechsel kann ein Ertaubter nicht mitkommen. Es wird auch immer eine enorme Anstrengung bleiben. Es wird immer Missverständnisse geben, so ist beispielsweise das Wörtchen „nicht“ kaum zu sehen und verändert den Sinn radikal. Ein komplizierter Satzbau oder Fremdwörter sollten nicht verwendet werden.

Und:

Das Absehen ist sehr anstrengend, bei mehreren hörenden Gesprächspartnern ohnehin unmöglich, wenn sie sich nicht alle immer dem Ertaubten zuwenden können. Blickkontakt ist notwendig, damit der hörende Sprecher Kontrolle hat, ob etwas verstanden wurde

Der Ertaubte darf nicht so tun, als hätte er verstanden, wenn er in Wirklichkeit den Faden verloren hat. Bei wichtigen Besprechungen sollte das Absehen nicht die Kommunikationsform der Wahl sein.

Hier hilft ein Schrift- oder Gebärdendolmetscher, worauf ein stark Hörgeschädigter beim Arzt oder bei Bewerbungsgesprächen Anspruch hat. (siehe "Das Recht auf Dolmetschen")