Psychische Bewältigung

 

Sobald NF2-Betroffene mit ihrer drohenden Ertaubung konfrontiert werden, beginnt die psychische Verarbeitung. Man versucht sich vorzustellen, wie es sein wird, nichts mehr zu hören. Fragt sich bang, wie man damit zurechtkommen wird. Meist besteht bei NF2 eine Chance, gehörerhaltend zu operieren, was eine Lebensplanung sehr erschwert und den Betroffenen in eine schwierige Ungewissheit stürzt. Zugleich beginnt die Trauer, die man zulassen muss, um sich auf den kommenden Verlust vorzubereiten.

Mit zunehmender Schwerhörigkeit kommt die Angst vor Verschlechterung, Hörstürzen. Es beginnen für stark Schwerhörige und Ertaubte typische Probleme. Man versteht oft nicht mehr, was gesprochen wird. fühlt sich ausgeschlossen, wie unter einer Glasglocke. Besonders am Anfang scheint man plötzlich völlig hilflos und auf das Wohlwollen seiner Angehörigen angewiesen zu sein. Man fühlt sich nicht mehr als selbstständiges Subjekt, sondern als abhängiges Objekt. Die häufigen Missverständnisse und alltäglichen kleinen Niederlagen führen zu mangelnden Selbstvertrauen. Das kann so weit gehen, dass Betroffene sich in Resignation zurückziehen und stur werden.

Dabei schwankt die Stimmung stark zwischen Wut und Enttäuschung über das Nicht-Verstehen und Ausgeschlossensein auf der einen Seite, auf der anderen Freude über Dinge, die noch möglich sind. Man beginnt, neue Grenzen auszuloten, was kann ich noch? Neue Freude zu entdecken an kleinen Dingen, die man vorher als "Selbstverständlichkeiten" gar nicht beachtet hat. Gleichzeitig lernt man (mehr oder weniger schnell) neue Wege der Kommunikation. Dazu gibt es viele Möglichkeiten von Lippenlesen, Schreiben, Fingern (mit dem Fingeralphabet) bis zu Gebärden. Oder eine Kombination von allem.

In etwas größeren zeitlichen Abstand wird mancher Betroffene feststellen, dass die Ertaubung seine Persönlichkeit zum Positiven verändert hat. Man wird stärker und, wenn man trotzdem Ziele erreichen kann, selbstbewusster. Man erfährt Respekt dafür, dass man sein Leben trotzdem meistert - leider aber nicht von allen Mitmenschen, denn viele können mit Ertaubten gar nicht umgehen. Man lernt, dies zu ignorieren. Man darf nie denken, dass man Schuld hat an der Unfähigkeit oder Unwilligkeit vieler Menschen, mit einem zu reden. Das können auch Ärzte sein, frühere Freunde oder Verwandte. Man muss Strategien entwickeln, damit umzugehen, am besten ist, den Umgang zu vermeiden, und wenn das nicht möglich ist, bei der Arbeit etwa, die Leute drauf ansprechen