Krankheitsbild

Zusammenfassung

Neurofibromatose Typ 2 (NF2) wird durch einen Defekt im Erbgut verursacht, genauer: auf dem Chromosom 22.

Etwa die Hälfte der Fälle sind Neumutationen, das bedeutet, dass beide Elternteile nicht von NF2 betroffen sind.

Wenn ein Elternteil NF2-betroffen ist und das andere nicht, dann besteht eine Wahrscheinlichkeit von 50%, dass die Kinder betroffen sind (Ausnahme siehe unten: Sonderfälle).

Durch den genetischen Defekt wird die Tumorbildung an Nervenzellen begünstigt, besonders im Gehirn und in der Wirbelsäule.

Wichtigstes Anzeichen der Krankheit sind beidseitige Akustikusneurinome, das sind gutartige Tumoren am Hörnerv.

Die Ausprägung von NF2 kann verschieden sein, es gibt leichte, mittlere und auch sehr schwere Fälle.

Genetik

Neurofibromatose 2 (NF2) ist eine Erbkrankheit (autosomal dominanter Erbgang), die ungefähr einen von 40 000 Menschen betrifft und bei der Tumoren des gesamten Nervensystems (insbesondere Hirntumoren und Tumore im Bereich der Wirbelsäule) entstehen.

Obwohl sie im klassischen Fall erst im Erwachsenenalter symptomatisch wird, zeigen sich oft schon in der Kindheit die ersten Anzeichen, die meistens noch nicht mit NF2 in Verbindung gebracht werden. Die NF2 gehört zu den so genannten monogenen Erkrankungen, bei denen Veränderungen (Mutation) in nur einem Gen die Störung bewirken. Jeder, der eine solche Mutation trägt, zeigt auch klinische Anzeichen der Erkrankung, allerdings in sehr unterschiedlichem Grad der Ausprägung.

altUrsache für die NF2 ist die Mutation eines Gens auf dem Chromosom 22, das vermutlich Einfluss auf Form und Wanderungsverhalten bestimmter Zelltypen nimmt. Das Produkt, dessen Entstehung dieses NF2-Gen steuert, ist eine Kette von 595 Aminosäuren (also ein Eiweiß) und wird Merlin oder Schwannomin genannt. Mutationen im Schwannomin-Gen oder das Fehlen von Schwannomin führen dazu, dass die Zellwanderung beeinflusst wird, die Zellform sich ändert oder ein Verlust der sog. Zellkontakthemmung eintritt.

Mutationen selber sind nichts Ungewöhnliches und gehören zu unserer Existenz. Ohne Mutationen gäbe es keine Evolution, also auch nicht uns Menschen. Mutationen sind sozusagen der Motor der Evolution. Sie machen das aus, was wir Individualität nennen. Auch Menschen, die nicht an erblichen Erkrankungen leiden, weisen in ihren Körperzellen viele Mutationen auf, z.B. in Hautzellen nach einem Sonnenbad. Man nennt diese Art von Mutationen „somatische“ Mutationen. Die meisten von ihnen werden von den Körperzellen wieder repariert, so z.B. diejenigen, die durch Sonnenbestrahlung bewirkt werden. Durch die notwendigen Reparaturmechanismen nicht mehr reparierbare Mutationen sind für die Zellen oft bedeutungslos, gelegentlich aber auch die Ursache für die Umwandlung der betroffenen Zelle in eine Tumorzelle oder sie verursachen Erkrankungen wie Hypercholesterinämie, Gicht oder bestimmte neurologische Erkrankungen.

Eine Mutation entsteht folgendermaßen: Träger der genetischen Information ist die DNA (Desoxyribonukleinsäure, desoxyribonuclein acid). Die DNA-Moleküle in jeder menschlichen Zelle ergäben aneinander gereiht einen bis zu zwei Meter langen Faden. Daher sind diese Molekülketten in der Zelle dicht geknäuelt gelagert. Sie sind in 46 Abschnitte unterteilt, so genannte Chromosomen. Die DNA-Moleküle werden nur aus jeweils vier Bausteinen gebildet. Es sind die 4 Basen Adenin (A), Guanin (G), Cytosin (C) und Thymin (T). Die Abfolge dieser Bausteine legt das genetische Programm der Zelle fest. Genauer betrachtet besteht die DNA aus zwei Molekülsträngen, die sich wie ein Reißverschluss zusammenlagern. Dabei bilden die gegenüberliegenden Basen (Nukleobasen) feste Paare: A mit T und G mit C.

Jeweils drei Basenpaare bestimmen (kodieren) dabei den Einbau einer bestimmten Aminosäure in ein Protein. Die Gene enthalten somit die Information darüber, in welcher Reihenfolge die Aminosäuren miteinander verknüpft werden sollen.